Freitag, 23. Februar 2018

DBK-Beschluss zur Kommunion: Wird aus der Kirche ein Abbruchunternehmen?

Unmittelbar vor Beginn der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz erstaunte Kardinal Reinhard Marx die Öffentlichkeit mit seiner Aussage, er spreche sich nicht für Segnungen homosexueller Paare aus. Einige Wochen davor hatte sich der Vorsitzende der Bischofskonferenz in einem Interview beim Bayerischen Rundfunk für Segnungen „im Einzelfall“ ausgesprochen, was eine weltweite Welle der Empörung auslöste. Unmittelbar vor der Vollversammlung äußerten sich auch die deutschen Bischöfe Gebhardt Fürst (Stuttgart-Rottenburg) und Stephan Burger (Freiburg) ablehnend gegenüber diesem Vorstoß.

Nun könnte eventuell geklärt sein, wieso Kardinal diesen Rückzieher vornahm: Die Deutsche Bischofskonferenz hat beschlossen, dass evangelische Personen, die mit einem Katholiken verheiratet sind, unter bestimmten Umständen die Kommunion empfangen dürfen.

Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass diese – völlig unerwartete - Ankündigung viele in einen Schockzustand versetzen wird.

Die Begründung scheint wie ein Trick bzw. wie eine Zurechtbiegung des Kirchenrechtes: In extremen Notlagen sollen evangelische Ehepartner zu Kommunion zugelassen werden. Eine Notlage sieht die Bischofskonferenz dann gegeben, wenn die Ehe unter einem Ausschluss zur Kommunion erheblichen Schaden nehmen könnte. Das Kirchenrecht sähe diese Situation vor.

Theologen und Kirchenrechtler müssen diesen schwerwiegenden Beschluss analysieren und beurteilen. Die deutschen Bischöfe haben eine eigentlich sakrilegische Kommunion unter bestimmten Umständen zugelassen. Dies könnte weitreichende Konsequenzen für die Verortung der deutschen Bistümer in der Weltkirche und für das Verhältnis der Gläubigen zu ihren Oberhirten haben. Im Extremfall könnten sich die deutschen Bischöfe, die diesen Beschluss in ihren Bistümern einführen, im Schisma befinden.

Was aber schon festgestellt werden kann ist, dass die Bischofskonferenz der Dekonstruktions-Strategie von Kardinal Marx folgt: Die Instanz, die gegebenenfalls den evangelischen Ehepartner zur Kommunion zulassen soll, ist der Seelsorger, also normalerweise der Pfarrer vor Ort. Entsprechend seinem „Geist der Unterscheidung“ soll er prüfen, ob eine Erlaubnis gestattet werden kann.

Interessanterweise folgt diese dezentrale „Lösung vor Ort“ dem Muster, das sich Kardinal Marx für die Segnungen homosexueller Partnerschaften ausgedacht hatte: Keine allgemeinen Regeln, kein universelle Formel, sondern Einzelfall-Lösungen.  Dies ist zudem unfair gegenüber den Pfarrern, denen damit der "Schwarze Peter" zugeschoben wird.

Diese Einzellfall-Lösungen würden aber universellen lehramtlichen Aussagen widersprechen. Die Kommunion darf nämlich nur jemand empfangen, der bekennt, katholisch zu sein. Ansonsten ist er nicht in der katholischen Kirche. Die Kommunion ist unter anderem das sichtbare Zeichen der Verbundenheit mit der kirchlichen Gemeinschaft, der "Communio". Die Kommunion ist also kein reiner privater Akt, sondern hat etwas durchaus Gemeinschaftliches. Die oft vorgebrachte Forderung aus der evangelischen Welt, auch Protestanten zur katholischen Kommunion zuzulassen, ignoriert systematisch diesen Sachverhalt. Wie Kardinal Joseph Ratzinger in der Erklärung „Dominus Iesu“ ausführt, ist das katholische und das evangelische Verständnis grundlegend unterschiedlich.

Schon in der Frage der Zulassung von wiederverheirateten Personen zur Kommunion in Folge der Veröffentlichung des Apostolischen Schreiben Amoris Laetitia wählte man zum Teil den Weg der Einzelfallprüfung auf lokaler Eben.

Bischofskonferenz setzt Dekonstruktion fort

Wie in diesem Blog schon mehrmals erläutert, führt diese Vorgehensweise zur Auflösung eines universal geltenden Lehramtes und einer universal geltenden Sittenlehre.

Dass sich auf diese Weise ein Sammelsurium von theologischen Ansichten und Praktiken bilden wird, ist offensichtlich. Was verbindet dann noch die Katholiken untereinander?

Dies umso mehr, weil es keinen vernünftigen Grund gibt, Ausnahmen nur für wiederverheiratete Geschiedene und protestantische Ehepartner zu erlauben. Die nun angewendete „Logik“ könnte man auf viele Konstellationen ausdehnen. Es gäbe dann - so gesehen - weitere Lebenssituationen, die scheinbar eine „Einzelfall-Lösung“ ermöglichen.

Mit der Frage nach der Gültigkeit eines universellen Lehramtes und einer universellen Sittenlehre verbunden stellt sich auch immer drängender die Frage, welche Autorität die deutschen Bischöfe in moraltheologischen Fragen noch in Anspruch nehmen wollen.

Was können die Oberhirten überhaupt noch von den Gläubigen hinsichtlich Glaube und Moral fordern? Kirchensteuer zahlen und nicht die AfD wählen?

So gesehen ist die nun getroffene Entscheidung auch eine Selbstdemontage des Bischofsamtes.

Dienstag, 20. Februar 2018

Homo-Segnungen vom Tisch?

Foto Erzbistum München-Freising
Diverse Medien berichten, dass Kardinal Reinhard Marx nichts mehr von Segnungen homosexueller Paare wissen wolle. So schreibt Radio Vatikan: >„Von Segnung homosexueller Paare öffentlich habe ich überhaupt nicht gesprochen“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Montag im Vorfeld der Bischofsvollversammlung in Ingolstadt. Es gehe vielmehr „um die Begleitung von Homosexuellen, die Christen sein wollen, die für ihr Leben auch Zuspruch suchen“. Die Bischofs-Kommission „Pastorale Aufgaben“ sei beauftragt, dieses Thema vorzubereiten.<

Diese Kommission solle sich allerdings nicht mit der Möglichkeit, solche Paare segnen zu lassen, beschäftigen. Das Internetportal der Bischofskonferenz, katholisches.de, berichtet: "Er (Kardinal Marx) habe lediglich gesagt, dass er sich Einzelfall gut vorstellen könne, "dass es auch einen geistlichen Zuspruch geben kann, von der Segnung homosexueller Paare, gar öffentlich, habe ich gar nicht gesprochen", so Marx. Er stellte auch klar, dass die Pastoralkommission sich nicht mit dem "Finden von Segnungsmöglichkeiten" beschäftige."

Das Internetportal "Queer", das vor allem LSBTI-Themen behandelt, zitiert ausführlicher Kardinal Marx´ Aussage über die geplante Kommission: "Zu der Vorbereitung habe man der Pastoralkommission der Bischofskonferenz einen Arbeitsauftrag erteilt. Diese werde sich allerdings nicht mit dem "Finden von Segnungsmöglichkeiten" beschäftigen, so Marx."

Die Erklärung gab Kardinal Marx anlässlich der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz, die seit dem 19. Februar 2018 in Ingolstadt tagt. Segnungen homosexueller Paare werden kein Gesprächsthema sein, so Marx.

Das Vorgehen von Kardinal Marx ist merkwürdig. Wich er vor der internationalen Empörung und dem Widerstand aus dem Episkopat? Unmittelbar vor Beginn der Vollversammlung erklärten die Bischöfe Gebhard Fürst (Stuttgart-Rottenburg) und Stephan Burger (Freiburg), dass Segnungen solcher Paare nicht möglich seien. 

Die ganze Angelegenheit wirkt mysteriös. War es ein Versuchsballon? Wird die geplante Pastoralkommission doch noch für Überraschungen sorgen?

Warten wir ab und bleiben wir aufmerksam.

Samstag, 17. Februar 2018

Die doppelte Strategie des Progressismus: Paradigmenwechsel und Dezentralisierung

Der Progressismus ist dabei, eine kirchliche Ruinenlandschaft zu hinterlassen (Foto: B.T.)
Wie in diesem Blog schon mehrmals berichtet, gab es dieses Jahr zwei Plädoyers für die Einführung von Segnungen für homosexuelle Paare.

Zuerst äußerte sich Bischof Frank-Josef Bode von Osnabrück, der sich für eine allgemeine Einführung solcher Pseudo-Segnungen aussprach. Schnell wurde er vom Liturgiewissenschaftler Benedikt Kranemann und weiteren Vertretern des Klerus in diesem Anliegen unterstützt, darunter der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz. Dieser will auch wiederverheiratete Geschiedene segnen. Würde sich Bodes Vorschlag durchsetzen, so würde es bald Segnungen für alle möglichen Partnerschaftsformen geben. Damit würde sich die katholische Kirche vollends dem heute herrschenden Geist der sexuellen Revolution anpassen. 

Die Radikalität dieser Revolution scheint Bischof Bode nicht zu beunruhigen. Er selbst sprach von der Möglichkeit einer Spaltung.

Einige Wochen später meldete sich bekanntlich Kardinal Marx zum selben Thema. Auch er ist offen für solche Pseudo-Segnungen, doch er will keine offizielle Begründung dazu veröffentlichen. Vielmehr sollen die Pfarrer selbst von Fall zu Fall entscheiden.

Beide Vorschläge implizieren offensichtlich die Abschaffung der traditionellen Sittenlehre hinsichtlich Sexualität und Ehe.

Doch sie unterscheiden sich im wesentlichen Punkten: Bode will im Grunde eine neue Sexualmoral einführen und damit einen „Paradigmenwechsel“ in der Moraltheologie erreichen. Die traditionelle und eigentliche katholische Moraltheologie, die neben der Hl. Schrift auf dem Naturrecht basiert, wäre damit außer Kraft gesetzt. Dass dies die Gründung einer neuen Religion beinhaltet, braucht kaum erwähnt zu werden. Das Schlachtwort „Paradigmenwechsel“ in der Moral hat kein Geringerer eingeführt als Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin.

Kardinal Marx geht einen anderen Weg, um die progressistische Agenda durchzusetzen: Er verzichtet darauf, allgemein verbindliche Regeln aufzustellen oder gar seine Autorität als Erzbischof (offen) anzuwenden, um diese Änderungen zu forcieren. Er sagt, jeder Pfarrer soll das so machen, wie er es für richtig hält.

Dadurch verfolgt Kardinal Marx ein anderes Ziel des Progressismus, und zwar die bischöfliche Autorität und die Zentralisierung der Kirche aufzubrechen. Wie hier bereits mehrmals erklärt wurde, strebt Kardinal Marx offenbar die Bildung einer Kirche an, die nicht mehr hierarchisch organisiert ist und auch kein universell verbindliches Lehramt mehr besitzt.

Man könnte die Strategie der Dezentralisierung von Kardinal Marx daher als einen Paradigmenwechsel in den Strukturen bezeichnen.

Das würde natürlich hoch bis zum Papst und dem Vatikan gehen. Für Progressisten wie Hans Küng ist die Kurie gleichsam der Teufel in Person, die am besten abgeschafft gehört. Der Papst sollte irgendwo leben, nicht unbedingt in Rom, und soll die Kirche ohne großen Apparat regieren. Bistümer, Pfarreien und inzwischen „Pastorale Räume“ würden weitgehend unabhängig voneinander leben und unterschiedliche Lehrämter und liturgische Formen entwickeln.

Eine solche Kirche würde sich in ihrer Struktur nicht mehr groß von den Naturreligionen unterscheiden, in denen Personen mit einer starken psychologischen Ausstrahlung das Sagen haben. Eine Gemeinschaft würde sich durch eine emotionale bis fanatische Beziehung zu dieser charismatischen Person bilden.

Was Deutschland betrifft, könnte der Progressismus versuchen, folgende Struktur zu entwickeln: Die Kirche als "Anstalt des öffentlichen Rechts" würde komplett desakralisiert werden und nur noch als Anbieter von Dienstleistungen auftreten. Diese Dienstleistungen (Schulen, Kindergärten, Altersheimen, Krankenhäuser etc.) würden gegen Zahlung der Kirchensteuer oder durch Gebühren angeboten werden.

Die Pfarreien, in denen die eigentliche Seelsorge und die Austeilung der Sakramente stattfinden, würden sich zunehmend zu spirituellen Zentren einer universellen Religion wandeln. Neben den Hl. Messen, der Beichte und „klassischen“ Angeboten gäbe es dort eben auch Segnungen für alles Mögliche, Yoga-Sitzungen, mystische Gespräche mit der Natur, Begegnungen mit Naturreligionen etc.

In einer solchen Konfiguration würden die Anhänger der traditionellen Messe oder die sog. Muttersprachler (Kroaten, Polen etc.) marginalisiert; sie wären eine unter vielen Varianten religiösen Lebens.

Ich gestehe, dass hier eine extreme Situation gezeichnet wird. Möge Gott Mitleid mit Deutschland haben und uns vor diesem Szenario bewahren. Wenn aber der Verfall des Glaubens hierzulande weiter so rasant voranschreitet, wie wir es gegenwärtig sehen, würde dies bald dazu führen, dass die katholische Kirche kaum noch als katholisch bezeichnet werden kann.

Mittwoch, 14. Februar 2018

Kardinal Schönborn: Kritik an Bischof Laun, Schweigen zu Homo-Segnungen

Foto: Erzbistum Wien
Weihbischof Andreas Laun übte vergangene Woche heftige  Kritik hinsichtlich des Vorschlags von Kardinal Reinhard Marx und Bischof Franz-Josef Bode, Segnungen homosexueller Paare einzuführen.

Der vermeintliche Vergleich solcher Segnungen mit Konzentrationslagern erzürnte  Kardinal Christoph Schönborn, Erzbischof von Wien und Erzbischof Franz Lackner von Salzburg. „Wortwahl und Vergleich sind gänzlich unangemessen“, so Erzbischof Lackner.

Die US-amerikanische Journalistin Maike Hickson, die detailliert über die Debatte um Homo-Segnungen in Deutschland berichtet, stellt nun in einem Artikel für Lifesitenews fest, dass die Schelte für Weihbischof Laun im Kontrast zum Schweigen bezüglich der Aussagen von Kardinal Marx und Bischof Bode steht. Weder Kardinal Schönborn noch Erzbischof Lackner haben den Vorschlag der beiden deutschen Kollegen im Bischofsamt kritisiert oder abgelehnt.

Unbekannt ist auch, ob sie die in der Kirchenzeitung für das Bistum Linz angekündigten Segnungen homosexueller Paare ablehnen. Linz liegt schließlich in Österreich.

Seit dem 9. Februar 2018 finden dort derartige Segnungen statt. Mindestens bis zum 18. Februar werden solche Paare in unterschiedlichen Pfarreien gesegnet werden.

Ein Wort der beiden österreichischen Prälaten könnte durchaus diese antikatholische Praxis – die ebenso wenig eine Segnung im tatsächlichen Sinne sein kann – unterbinden.

Stattdessen kritisieren sie medienwirksam Bischof Laun. Dieser hat sich entschuldigt, denn er wollte „keine Gefühle verletzen“. Jedoch hat er seine Grundaussage nicht zurückgenommen, dass Segnungen für solche Paare nicht möglich seien.

Inzwischen ist auch bekannt geworden, dass auch in Deutschland Pfarrer in zwei Bistümern solche Pseudo-Segnungen vorgenommen haben.

Das Informationsportal Kath.Net hat bei den betroffenen Bistümern angefragt. Diese antworteten, dass man sich mit den Pfarrern unterhalten würde. Ansonsten müssten die Bischöfe die Angelegenheit besprechen.

Die Bischöfe Deutschlands, die sich nächste Woche zur Frühjahrsvollversammlung der Bischofskonferenz treffen, befinden sich in einer komplizierten Lage:

Wenn sie die Segnungen verbieten, so würden sie de facto die Lehre der Kirche über die Sexualität und die Ehe bekräftigen, obwohl Progressisten wie Kardinal Marx oder Bischof Bode dabei sind, diese zu demolieren.

Wenn sie nichts sagen, würden sie die Praxis der Segnungen durch manche Pfarrer dulden und damit im Grunde akzeptieren. Es ist davon auszugehen, dass weitere progressistische Pfarrer auch solche Pseudo-Segnungen einführen würden, was noch mehr den Glauben und die katholische Sittenlehre in Deutschland demolieren würde.

Normale Katholiken werden sich dann immer mehr folgende Frage stellen: Wenn dermaßen eklatante antikatholische Praktiken akzeptiert werden, die schwer die katholische Sittenlehre verletzen, darf man dann noch Kirchensteuer eine Kirche zahlen, die von der LGBT-Lobby okkupiert zu sein scheint?

Samstag, 10. Februar 2018

Frühjahrsvollversammlung: Bischöfe sollen Kardinal Marx als DBK-Vorsitzenden absetzen

Foto: Erzbistum München und Freising
Der deutsche Progressismus hat sich wohl in der Silvesternacht zum Vorsatz gemacht, die Gläubigen in einen Dauerzustand der Bestürzung zu versetzen: Zuerst setzte sich Bischof Franz-Josef Bode für die Segnungen homosexueller Partnerschaften ein. Dann folgte der Brief von Kardinal Marx als Vorsitzender der Bischofskonferenz, in welchem er die Arbeit von Donum Vitae lobt. Schließlich befürwortete der Kardinal in einem Radiointerview Segnungen homosexueller Paare „im Einzelfall“.

Nichts scheint dem deutschen Progressismus mehr heilig zu sein. Die Gläubigen müssen wohl in der Erwartung ständig neuer Angriffe auf  die kirchliche Glaubens- und Sittenlehre leben.

Allerdings sind nicht nur diese Vorstöße besorgniserregend, sondern auch das völlige Schweigen des deutschen Episkopats dazu.

Schon bei der ersten Stellungnahme Bodes hätten mehrere Bischöfe protestieren müssen. Möglicherweise hielten sie Bodes Einsatz für die Homosexuellen aber lediglich für einen neuen Versuch, sich bei der linksliberalen Presse beliebt zu machen. Seit langem versucht Bischof Bode, mit gezielten Tabubrüchen in die Schlagzeilen zu kommen.

Doch der Einsatz von Kardinal Marx für die Homo-Agenda hat das Fass zum Überlaufen gebracht!

Die katholische Kirche in Deutschland skandalisiert die Gläubigen auf der ganzen Welt mit ihren ständigen Attacken gegen den Glauben und die überlieferte Lehre. Diese unerträglichen Beleidigungen müssen endlich aufhören.

Die einzige vernünftige Reaktion der deutschen Bischöfe kann nur die Absetzung von Kardinal Reinhard Marx als Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz sein!

Auf diese Weise würde die katholische Kirche in Deutschlands endlich ein Zeichen setzen, dass hierzulande der katholische Glaube und das katholische Lehramt noch was Wert sind und man diese nicht ständig mit den Füßen treten kann.

Deutschland, einst ein Land, das überallhin Missionare geschickt hat, ist zu einem Dauerherd von Angriffen gegen den katholischen Glauben geworden.

Die Bischöfe müssen der Weltkirche zeigen, dass der katholische Glauben in Deutschland geschätzt wird. Mit der Absetzung von Kardinal Reinhard Marx bei der kommenden Frühjahreskonferenz in Ingolstadt (19. bis 22. Februar 2018) wäre ein erster Schritt getan.

Donnerstag, 8. Februar 2018

Chaos in katholischer Kirche Deutschlands beinhaltet weitgehende Implikationen

Deutschland braucht (oder viele) einen neuen hl. Bonifatius
Lehramtstreue deutsche Katholiken sind schon seit langem Kummer gewohnt. Doch selten kam aus den obersten Stellen, also von den Bischöfen selbst, in geballter Form so viel Respektlosigkeit für Tradition und Lehramt:

1. Anfang des Jahres forderte Franz-Josef Bode, Bischof von Osnabrück und stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, die Einführung von Segnungen für homosexuelle Paare.
2. Ende Januar drückte sich Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München-Freising und Vorsitzender der Bischofskonferenz, lobend über die Beratungsarbeit von Donum Vitae, obwohl diese Beratungsstellen einen sog. Beratungsschein ausstellen, der Abtreibungen ermöglich. Donum Votae hatte sich aus Protest gegen den Ausstieg der katholischen Kirche aus dem staatlichen Schwangerschaftsberatungssystems gegründet.
3. Schließlich plädierte Kardinal Marx für Segnungen homosexueller Paare „im Einzelfall“. Damit wird klar, das Kardinal Marx die traditionelle Lehre der Kirche über Sexualität, Ehe und Familie ablehnt.

Auf diese Weise präsentiert sich die katholische Kirche als chaotisch und zerstritten der Öffentlichkeit. Teile leben im Zustand der Daueropposition zum traditionellen Lehramt der Kirche und vermitteln den Eindruck, das eminent Katholische sei ihnen lästig. 

Dieses Bild hat weitgehende und fatale Konsequenzen für das Wirken der Kirche. Der fortlaufende und zahlenmäßig dramatische Verlust an Mitgliedern ist nur eine der Folgen dieses traurigen Zustandes.

Hier sollen die wichtigsten Folgen des bedauerlichen Bildes skizziert werden, das manche Bischöfe zurzeit von der Kirche hierzulande geben.

1. Der notorische Drang zu theologischen Experimenten und die Dauerkritik am katholischen Lehramt vermitteln vielen der Eindruck, dass in der katholischen Kirche nichts wirklich Bestand hat. Alles ist einer immerwährenden Diskussion unterworfen, wobei die heterodoxesten Positionen salonfähig sind. Keine Institution, die sich so der Öffentlichkeit präsentiert, kann damit rechnen, dass die Menschen ihr Glaubwürdigkeit zuschreiben. Ganz im Gegenteil: Was zurzeit in der katholischen Kirche Deutschlands gilt, hängt nicht davon ab, wer die Wahrheit vertritt, sondern wer die Macht hat. Gegenwärtig sind es eben ultra-Progressisten wie Kardinal Marx, die alles umkrempeln wollen. Und keiner im Episkopat scheint den Mut zu haben, Widerstand zu leisten.

2. Mit dem Mangel an Glaubwürdigkeit kann die katholische Kirche in Deutschland nicht glauben, Einfluss in den wichtigsten politischen und gesellschaftlichen Debatten zu haben. Wer interessiert sich beispielsweise noch, was die katholischen Bischöfe zu bioethischen Fragen, gesellschaftspolitischen Themen wie die sog. „Homo-Ehe“ meinen. Dadurch, dass die Kirche selbst in den eigenen Reihen kaum noch die Lehre der Kirche über Sexualität, Ehe und Familie (also die „heißen Eisen“) verkündet, ist ihre Botschaft auch außerhalb und insbesondere in der politischen Debatte wirkungslos geworden. Gegenwärtig wird die katholische Kirche in Deutschland noch am ehesten wahrgenommen, wenn sie Positionen anderer gesellschaftlicher Gruppe übernimmt, wie etwa die umweltpolitischen Positionen der Grünen. Doch in keinem Feld besitzt sie noch die Deutungshoheit.

3. Der fehlende politische Einfluss wäre zu verschmerzen, wenn die katholische Kirche in Deutschland noch die Fähigkeit zur Mission haben würde. Das Evangelium zu verkünden, die Lehre des Heils durch Jesus Christus den Menschen zu bringen, den katholischen Glauben zu verbreiten: Das sind die Kernaufgaben der Kirche. Doch der Progressismus mit seinen absurden theologischen Aussagen verdunkelt die eigentliche Botschaft der Kirche. Das war übrigens der Hauptgrund, wieso Papst Johannes Paul II. den Ausstieg aus dem staatlichen Schwangerschaftskonfliktberatungssystems anbefohlen hat. Die Teilhabe am staatlichen Tötungssystem verdunkelte die Botschaft des Evangeliums und erschwerte dadurch den Menschen, in der Kirche die Vermittlerin des Heiles Christi zu erkennen. 

4. Insgesamt verliert die Kirche ihre Fähigkeit, die Welt zu prägen. Ihre alte Prägekraft bezüglich des Lebensstils der Menschen, in der Kunst und Architektur, in der Philosophie und Literatur, im gesellschaftlichen Umgang etc. geht verloren. Fast nichts davon ist mehr übrig. Die frühere Prägekraft der Kirche kann man noch in den alten Kirchen oder in der sakralen Kunst in den Museen bewundern. Aber das Leben hier und jetzt sucht sich andere Leitbilder.

5. Eigentlich an erster Stelle müsste in dieser Auflistung die Fähigkeit zur spirituellen Erneuerung der Gesellschaft genannt werden, das heißt, die Vermittlung der Gnade Christi als Voraussetzung der Gesundung der Gesellschaft. Sicher, die Kirche erteilt noch die Sakramente und diese haben eine effektive Wirkung in den Menschen und damit auch einen Einfluss auf die Gesellschaft. Doch diese Wirkung bleibt gering aufgrund der oben genannten Gründe.

Die Situation der Kirche ist äußerst bedrohlich. Deutschland befindet sich in einem Dekadenzprozess, der aufzuhalten zu sein scheint. Deutschland braucht in dieser Situation keine Bischöfe, die absurde neumodische Ideen übernehmen und in der Kirche anwenden wollen. Nein, Deutschland braucht Heilige – Kleriker und Laien – die mit dem Eifer eines heiligen Bonifatius wirksam sind. Die Menschen für die Botschaft Christi zu öffnen und zu begeistern.

Mittwoch, 7. Februar 2018

Der Progressismus will den „moralischen Paradigmenwechsel“

Die jüngsten Plädoyers von Kardinal Reinhard Marx und Bischof Franz-Josef Bode zugunsten von Segnungen homosexueller Partnerschaften haben auf der ganzen Welt Erschütterung und Entsetzen ausgelöst. 

Die Demarche der beiden Deutschen ist allerdings keine isolierte Handlung. Auf breiter Front bläst der Progressismus zu einem Ansturm gegen die traditionelle Lehre der Kirche. 

Am deutlichsten wurde dies von keinem geringeren als dem vatikanischen Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin geäußert. Er spricht von einem regelrechten „Paradigmenwechsel in der Moral“, auf der Grundlage einer liberalen Interpretation der Enzyklika Amoris Laetitia.

Kardinal Parolin in einem Interview mit Radio Vatikan zum Apostolischen Schreiben Amoris Laetitia: „Es ist ein Paradigmenwechsel und der Text selbst besteht darauf. Das ist es, was man von uns verlangt - dieser neue Geist, dieser neue Ansatz! Jede Veränderung bringt also immer Schwierigkeiten mit sich, aber diese Schwierigkeiten müssen bewältigt werden.“

Der Kardinalstaatsekretär ließ im Interview offen, wie dieser Paradigmenwechsel Gestalt annehmen würde. Das erledigen andere für ihn. So hat beispielsweise der italienische Moraltheologe Maurizio Chiodi bei einem Vortrag Mitte Dezember 2017 an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom behauptet, künstliche Verhütung sei in gewissen Situationen nicht nur akzeptabel, sondern sogar geboten.

Chiodi ist alles andere als ein Leichtgewicht. Er lehrt Moraltheologie an der katholischen Fakultät der Universität Mailand. Im Juni 2017 wurde er an die Päpstliche Akademie für das Leben berufen. Es blieb nicht beim Vortrag im Dezember in der Gregoriana. Seitdem konnte er seine Ansichten mehrmals in der Tageszeitung Avvenire (des offiziösen Organs der italienischen Bischofskonferenz) vorbringen.

Sein Vortrag wurde von vielen als der Beginn der Demontage der Enzyklika „Humanae Vitae“ von Paul VI. aus dem Jahr 1968 verstanden. In dieser Enzyklika bekräftigte der Papst die katholische Sexualmoral und die Lehre der Kirche über Ehe und Familie. Insbesondere bestätigte er, dass der Geschlechtsakt nur in einer gültig geschlossenen Ehe – und zwar zwischen Mann und Frau (das muss man heute hinzufügen) - ethisch erlaubt ist. Der Geschlechtsakt muss zudem offen für die Fortpflanzung sein, weshalb künstliche Verhütungsmittel verboten sind. Diese Lehre wurde von Papst Johannes Paul II. 1981 im Apostolischen Schreiben „Familiaris consortio“ bestätigt.

Diese beiden päpstlichen Schreiben, „Humanae Vitae“ und „Familiaris consortio“, waren bislang die größten Hindernisse für den Progressismus, die Moraltheologie umzukrempeln.

Nun sehen sie wohl dank Amoris Laetitia den Zeitpunkt gekommen, mit der traditionellen Lehre zu brechen, wozu die Beseitigung von Humane Vitae nötig wäre.

Über Bestrebungen in dieser Hinsicht meldete die Katholische Presseagentur Österreichs: „Ob aus dem Vatikan tatsächlich bald eine Neuauslegung der "Pillen-Enzyklika" kommt, ist ungewiss. Dass eine Kommission im Auftrag des Papstes die Entstehungsgeschichte von "Humanae vitae" untersucht, hat der Leiter des Archivs der Glaubenskongregation, Alejandro Cifres, unlängst der Nachrichtenagentur "Kathpress" bestätigt.“

Die Debatte, die der Veröffentlichung von Amoris Laetitia folgte, war in ihrer Dimension, Schärfe und Polemik einzigartig in der Geschichte der Kirche. Konträrer könnten die Positionen nicht sein: Während die einen meinen, es hätte sich an der Lehre der Kirche nichts geändert, sagen andere, das Apostolische Schreiben würde mit der traditionelle Lehre brechen.

Egal wie man zu Amoris Laetitia steht, so muss man feststellen, dass die zweite Gruppe gegenwärtig bestrebt ist, Fakten zu schaffen. Anders kann man den Schlachtruf Kardinal Parolins zu einem Paradigmenwechsel in der Moral nicht verstehen.

Was den Progressismus betrifft, so kann man behaupten: „Wenn Rom in den (deutschen)  Wald hinein ruft, so schallt es aus München, Mainz und Berlin heraus“. Um sich auf Kardinal Marx zu beschränken, so ist er in puncto Homo-Agenda schon lange aktiv. 

In seiner Pfingstpredigt 2015 sprach er sich für eine Willkommenskultur aus und erwähnte auch die Homosexuellen: „Die zugezogenen Norddeutschen und die Bayern, die Mittelschicht und die Hartz-IV-Empfänger, die Arbeitslosen und die Direktoren der Banken, die Grünen und die Schwarzen, die Homosexuellen und die Heterosexuellen, die Geschiedenen und die Ehejubilare, die Flüchtlinge und die Gebirgsschützen“. Während der Familiensynode im Herbst 2015 meinte Kardinal Marx, die Kirche müsse sich bei den Homosexuellen sogar entschuldigen. Die Forderung nach Segnungen homosexueller Paare kommt also nicht ganz überraschend.

Die einzige Person, die das Post-Amoris-Laetitia-Chaos beenden könnte, ist der Papst selbst. Doch er ist nicht bereit, Klarheit zu schaffen. Dr. Markus Büning, ein Autor, der noch letztes Jahr die franziskus-freundliche Initiative „Pro Pope Francis“ unterstützte, schrieb nun: „Aus meiner Sicht ist nun ganz klar derjenige gefordert, der das höchste Lehramt in der Universalkirche innehat, der Papst. Schweigt er zu solch einer Forderung, muss man notgedrungen, vorausgesetzt er kennt die dreiste Forderung des C8-Kardinals Marx, dies als Zustimmung werten. Dann hat auch der Papst ein Problem!“

Der Papst hat aber die Progressiven jüngst indirekt ermutigt, fortzufahren, als er in seiner Apostolischen Konstitution „Veritatis Gaudium - Über die kirchlichen Universitäten und Fakultäten“ (am 29. Januar 2018 erschienen) die Akademiker zu einer „kulturellen Revolution“ auffordert: „Diese beachtliche und unaufschiebbare Aufgabe verlangt auf der kulturellen Ebene akademischer Bildung und wissenschaftlicher Forschung die großherzige und gemeinsame Anstrengung hinsichtlich eines radikalen Paradigmenwechsels, ja mehr noch – ich erlaube mir zu sagen – hinsichtlich einer »mutigen kulturellen Revolution«“

Kein Wort also an die Progressisten, sich zu mäßigen oder sich an die traditionelle Lehre zu halten.

Der „normale Katholik“ ist angesichts dieses Panoramas zunehmend verwirrt. Doch dazu besteht kein Anlass, denn noch viele Würdenträger verbreiten und verteidigen die unfehlbare und unveränderbare Lehre der Kirche über Sexualität, Ehe und Familie. Zuletzt taten das die Bischöfe Kasachstans mit dem „Bekenntnis zu den unveränderlichen Wahrheiten über die sakramentale Ehe“. In diesem Dokument wird klargestellt: „Das beständige Lehramt der Kirche, angefangen von den Lehren der Apostel und aller Päpste, hat die kristallklare Lehre Christi bezüglich der Unauflöslichkeit der Ehe, sowohl in der Lehre (in der Theorie), als auch in der sakramentalen Disziplin (in der Praxis) unzweideutig, ohne einen Schatten des Zweifels und immer in demselben Sinn und in derselben Bedeutung bewahrt und weitergegeben. Wegen ihres göttlich begründeten Wesens darf die sakramentale Disziplin niemals dem geoffenbarten Wort Gottes und dem Glauben der Kirche an die absolute Unauflöslichkeit einer gültigen und vollzogenen Ehe widersprechen.

Montag, 5. Februar 2018

Ja zu Homo-Segnungen entspricht Gründung einer neuen Kirche

Kardinal Reinhard Marx. Foto: Erzbistum München und Freising
Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München-Freising, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und Präsident der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (ComECE) war sich wohl im Klaren, dass er mit seinem „Ja“ zu Segnungen homosexueller Paare eine rote Linie überschreitet.

Im Gegensatz zum Vorschlag von Bischof Franz-Josef Bodes Anfang des Jahres soll es nach Marx´ Auffassung keine generelle Regelung geben. Vielmehr soll in den Pfarreien selbst geprüft werden, ob solche Segnungen „im Einzelfall“ möglich sein können.

Diese Einschränkung ist aber eine bloße taktische Augenwischerei. Den linken Pfarrern ebnet er den Weg, solche Segnungen zu gestalten, ohne dass er sich mit einem Dokument theologisch dafür rechtfertigen muss und sich auch der Kritik aussetzt. Ob nun von Pfarrei zu Pfarrei unterschiedliche Regelungen getroffen werden, ändert aber nichts an der Tatsache, dass Kardinal Marx (praktizierte) Homosexualität für unbedenklich hält, zumindest unter gewissen Voraussetzungen.

Mit diesem Schritt beabsichtigt Kardinal Marx im Grunde die Gründung einer neuen Kirche. Aus folgenden Gründen:

1. Die katholische Sexualmoral stellt eindeutig fest, dass der sexuelle Akt nur innerhalb einer gültig geschlossenen Ehe zwischen Mann und Frau moralisch einwandfrei ist. Ein Katholik ist verpflichtet, diesem Grundsatz zuzustimmen, selbst wenn er sich selber nicht daran hält. Mit der de-facto-Legalisierung von praktizierter Homosexualität durch Kardinal Marx wird dieser Grundsatz aufgehoben, und zwar generell und nicht nur bezüglich der Homosexualität. Die verbindliche katholische Sexualmoral wird durch Kardinal Marx (weitgehend) abgeschafft. Eine Kirche, die dem Vorgaben von Kardinal Marx´ folgt, wäre nicht mehr die katholische, sondern eine neue Kirche.

2. Ob Segnungen für homosexuelle Paare stattfinden oder nicht, soll auf lokaler Ebene, also in den Pfarrgemeinden getroffen werden. Weil aber die Zulassung dieser Segnungen eine völlig neue Moraltheologie (implizit) voraussetzen, so hätten unterschiedliche Pfarreien unterschiedliche Moraltheologien. Die Sittenlehre leitet sich aber vom Glauben ab. Marx´ Freigabe von Homo-Segnungen führt zu einem Zustand, dass unterschiedliche „katholische“ Pfarreien einen unterschiedlichen Glauben und eine unterschiedliche Moral vertreten, was aus katholischer Sicht nicht möglich ist. Die Einheit der Kirche wäre auf diese Weise auf Pfarreiebene zerstört. 

3. Wenn man auf die Ebene der Universalkirche geht, wird noch offensichtlicher, dass Marxens Vorschlag antikatholisch ist. Ist er etwa der Meinung, dass andere Bischöfe oder Bischofskonferenzen seinen Vorschlag übernehmen werden? Wohl nicht. Durch die Annahme einer neuen Moral, eines neuen Glaubens und neuer Riten für die Segnungen würde sich (zumindest ein Teil) der katholischen Kirche in Deutschland von der kirchlichen Weltgemeinschaft trennen.

4. Man wartet noch auf ein Wort von Kardinal Marx, wie er sein Projekt den sogenannten „muttersprachlichen“ Katholiken schmackhaft machen will. Das sind die Katholiken mit Migrationshintergrund, also Polen, Kroaten, Portugiesen etc. Diese sind nicht nur konservativer als der durchschnittliche „biodeutsche“ Katholik, sondern stellen an vielen Orten schon die Mehrheit der Gläubigen. 

Man kann sich kaum vorstellen, dass sich Kardinal Marx über die angeführten Punkte in moraltheologischer und ekklesiologischer Hinsicht keine Gedanken gemacht hat. Am wahrscheinlichsten ist, dass diese Einwände ihm egal sind, weil er tatsächlich die Bildung einer neuartigen Kirche anstrebt. Dies wurde in einem Interview Anfang des Jahres 2015 mit der US-amerikanischen Zeitschrift der Jesuiten America deutlich: Marx will im Grunde eine Kirche, die den Maximen der 1968er-Revolution entspricht: Linkspopulistisch, ohne feste Glaubenswahrheiten, ohne eine allgemein verbindliche Moraltheologie. 

Sonntag, 4. Februar 2018

Wie Kardinal Marx sich eine Kirche von morgen vorstellt

Foto: Erzbistum München und Freising
Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 3. Februar 2015 als Kolumne in der Jungen Freiheit. Er zeigt, dass schon damals Kardinal Marx die Vorstellung einer neuartigen Kirche hatte. Der Text ist ebenso teil eines Vortrages an der Kardinal-Stefan-Wyszyński-Universität in Warschau am 14. April 2015 im Rahmen der Tagung „Was Gott zusammengefügt hat ... - Ehe, Familie und Sexualität im Zusammenhang mit der Bischofssynode, 2014-2015".
Mathias von Gersdorff
Reinhard Kardinal Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofkonferenz, gab am 22. Januar 2015  der US-amerikanischen Zeitschrift der Jesuiten America ein Interview, in welchem er seine Hoffnungen für die Familiensynode im Oktober 2015 und seine Vision von Kirche schildert. In Deutschland wurden vor allem die Passagen zu geschiedenen Wiederverheirateten und Homosexuellen registriert. Die Süddeutsche Zeitung wählte für ihren Bericht die Überschrift „Auch Homosexuelle gehören dazu“, der Nordbayerische Kurier titelte: „Marx für Reformkurs bei wiederverheirateten Geschiedenen“.
Diese Themen sind zur Zeit die wichtigsten für die sogenannten Reformkatholiken, die eine Anpassung der Lehre der katholischen Kirche an die Maxime der sexuellen Revolution der Achtundsechziger-Bewegung anstreben, worüber diese Kolumne schon mehrmals berichtet hat (beispielsweise hier).
Doch Kardinal Marx beschränkt sich im Interview mit America keineswegs auf diese Themen, sondern präzisiert und aktualisiert die üblichen Anschauungen des Reformkatholizismus. Damit stellt er sich an die Spitze einer Bewegung, die spätestens seit dem Mißbrauchsskandal vor fünf Jahren immer deutlicher und lauter in der Öffentlichkeit ihre Ansichten vertritt: Die Kirche müsse ihre Strukturen drastisch schleifen, die Kirche müsse sich demokratisieren, und das kirchliche Lehramt müsse sich dem heutigen Lebensgefühl anpassen.
Kardinal Marx als Umstürzler
Der sogenannte „Fall Tebartz-van Elst“ im vergangenen Jahr war ein neuer willkommener Anlaß für die liberalen Katholiken, für ihre Agenda zu werben. Angeblich um in Zukunft „Limburger Verhältnisse“ auszuschließen, müsse nun auch über eine neue Definition des Bischofsamtes und der kirchlichen Hierarchie schlechthin diskutiert werden.
In Wahrheit geht es um eine völlig neue Vision dessen, was Kirche überhaupt ist. Dies wird im Interview von Kardinal Marx mit America sehr deutlich. So sagt er: „Die Kirche kann der Welt zeigen, daß sie nicht ein Instrument für sich selbst, sondern für die Einheit der Nation und der Welt sein kann.“ Die Kirche dürfe keine narzistische Kirche, keine Kirche der Furcht sein, so Marx.
Verständnis zeigt Kardinal Marx auch für homosexuelle Partnerschaften, für „wilde Ehen“, für wiederverheiratete Geschiedene, für die Forderungen, die Sakramentenlehre zu verändern. Für ihn sei sowieso nicht klar definiert, was die katholische Kirche über Ehe und Familie lehrt.
Kirche in der Hand von Laien, als Ort der Begegnung, aber nicht als Hüterin der Wahrheit
Kardinal Marx tritt ein für eine Entklerikalisierung der Macht an der römischen Kurie. Dementsprechend sollten Laien wichtige Ämter, sogar den Vorsitz von Räten, Kongregationen (also der vatikanischen Ministerien) und sonstigen Verwaltungseinheiten übernehmen. Im Rahmen dieser Strukturreformen sollten Frauen bevorzugt werden. Man müsse nämlich endlich erkennen, daß eines der „Zeichen der Zeit“ die „Emanzipation der Frauen“ sei. Die Kirche müsse diese nun vollziehen. (Der Begriff „Emanzipation der Frau“ stammt aus dem Begriffsarsenal linker Gesellschaftspolitik und hat die Ideologie des Klassenkampfes zur Grundlage).
An diesen Aussagen wird folgendes klar: Die Kirche wird von den liberalen Reformkatholiken nicht primär als Hüterin der Wahrheit aufgefaßt, sondern als ein Ort der Begegnung, wo sich alle Menschen, egal wie sie sind, treffen. Damit das überhaupt funktionieren kann, muss sich die Kirche an den Zeitgeist anpassen und möglichst offene Grenzen haben. Die Grenzen zwischen katholisch und nicht-katholisch werden möglichst verwischt – aber nicht so stark, daß das die Kirchensteuereinnahmen gefährden könnte). Um das wiederum zu erreichen, ist eine Schwächung des Priester- und Bischofsamtes nötig.
In einer solchen Kirche kann die Wahrheit beziehungsweise die Treue zum Evangelium nicht im Mittelpunkt stehen. Das wird zwar nicht ausdrücklich gesagt, doch das ist die zwangsläufige Konsequenz. Damit die Wahrheit gegen die ständigen Angriffe gewappnet ist, muß sie hierarchisch auf der Basis des Weihesakramentes aufgebaut sein.
Ein formloses, poststrukturalistisches Gewebe
Sollte dieser Prozess lange genug fortdauern, entstünde ein formloses Gewebe von Bistümern und Pfarreien ohne festumrissene Gebietsabgrenzungen. Das Sagen hätten pseudo-demokratische Gremien und charismatische Figuren, die einen Lebensstil vorgeben, der nicht mehr an festdefinierte Glaubenswahrheiten gebunden ist.
Eigentlich sähe dann die Kirche nicht viel anders aus als die utopische poststrukturalistische Gesellschaft der Achtundsechziger-Revolutionäre.

Samstag, 3. Februar 2018

Segnungen für Homo-Paare: Kardinal Marx und Bischof Bode folgen der sexuellen Revolution

Kardinal Reinhard Marx. Foto. Erzbistum München und Freising
In einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk hat sich nun Kardinal Reinhard Marx offen für Segnungen homosexueller Paare ausgesprochen: „Da muss man auch ermutigen dazu, dass die Priester und Seelsorger den Menschen in den konkreten Situationen auch einen Zuspruch geben. Ich sehe da eigentlich keine Probleme.“

Als erster deutscher Bischof brachte Franz-Josef Bode von Osnabrück das Thema an die Öffentlichkeit.

In der Bischofskonferenz ist Bode wohl der liberalste Bischof, der stets Vorschläge macht, die der katholischen Sexualmoral widersprechen: Die Kirche kann keinen Segen für eine Partnerschaft erteilen, deren Grundlage eine sündhafte Handlung ist. Dazu gehören sog. wilde Ehen, Partnerschaften wiederverheirateter Geschiedener, polygame Beziehungen und eben auch Paare von homosexuellen.

Wäre Bischof Bode konsequent gewesen, hätte er Segnungen für alle möglichen Konstellationen von Partnerschaften fordern können, doch dann wäre es zu offensichtlich gewesen, dass sein Ansinnen antikatholisch ist.

Nun macht sich auch Kardinal Marx, immerhin Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz, für Segnungen homosexueller Paare stark. Kardinal Marx ist auch Präsident der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (ComECE) und Mitglied des von Papst Franziskus gebildeten Kardinalrates, der eine Reform der vatikanischen Kurie einleiten soll.

Wer diesen heterodoxen Vorschlag gemacht hat, ist also kein Leichtgewicht in der katholischen Kirche. Oder anders ausgedrückt: Wenn die katholische Kirche solche Prälaten hat, braucht sie keine Feinde mehr.

Kardinal Marx wollte nicht so weit wie Bischof Bode gehen, und sprach sich zugunsten von Segnungen im „Einzelfall“ aus. Doch das ist nichts anderes als ein Feigenblatt: Wenn Segnungen im Einzelfall bei homosexuellen Paaren in Ordnung sind, so ist die (praktizierte) Homosexualität kein Hinderungsgrund mehr. Es müsste ein anderes Merkmal hinzukommen, um den Segen zu verweigern.

Dass gerade Kardinal Marx und Bischof Bode vorschlagen, homosexuelle Paare zu segnen (und damit Homosexualität de facto als moralisch unbedenklich anzusehen), kommt nicht unerwartet.

Im Vorfeld der Familiensynode im Herbst 2015 waren diese beiden (würdigen?) Würdenträger die wichtigsten Verbündeten von Kardinal Kasper im deutschen Episkopat. Kardinal Kasper forderte in einem viel beachteten Vortrag an die Kardinäle Anfang 2014 die Öffnung der Sakramente für wiederverheiratete Geschiedene. Das würde im Grunde bedeuten, dass die Kirche sexuelle Akte außerhalb der Ehe als nicht mehr so gravierend ansieht. Jedenfalls als nicht so gravierend, dass sie den Empfang der Kommunion verhindern. Falls aber wiederverheiratete Geschiedene die Kommunion nun empfangen dürfen, wieso nicht alle Personen, die in irgendeiner Art und Weise schwer gegen das Sechste Gebot verstoßen?

Kein Wunder, dass kurz nach Kaspers Ansprache an die Kardinäle schon manche eine umfassende Reform bis hin zu einer Abschaffung der katholischen Sexualmoral forderten, als ob sich die göttlichen Gebote reformieren ließe. Mal wieder waren die deutschen Amtsträger an erster Stelle. Auch verlangte man eine moralische Neubewertung der Homosexualität, was aber die afrikanischen und viele osteuropäischen Bischöfe auf die Barrikaden brachte.

Speziell in Deutschland veröffentlichte das unselige „Zentralkomitee der deutschen Katholiken“ im Mai 2015 ein Positionspapier, in welchem eine radikale Abkehr der katholischen Sexualmoral verlangt wird. Auch sollte praktizierte Homosexualität als unbedenklich eingestuft werden und gleichgeschlechtliche Paare den kirchlichen Segen erhalten dürfen.

Damals erkannte Kardinal Marx, dass diese Forderungen zu weit gingen und den Widerstand gegen jegliche Lockerung der Sexualmoral und der Lehre über die Ehe (wie eben die Zulassung der wiederverheirateten Geschiedenen zu Kommunion) verstärkte. Kardinal Marx lehnte damals Segnungen für homosexuelle Paare scharf ab.

Nach den neuesten Stellungnahmen wird sonnenklar, dass die damalige Positionierung bloße Taktik war. Nun sieht offensichtlich Kardinal Marx die Zeit für weitere „Neuerungen“ gekommen.

Was streben Kardinal Marx und Bischof Bode überhaupt an?

Im Vorgehen dieser beiden Prälaten lassen sich gewisse Grundlinien erkennen: 1. Die Sexualmoral der katholischen Kirche scheint für sie nicht etwas, das sich aus der Bibel ableiten lässt, sondern ein menschliches Werk zu sein, das man auch nach menschlichem Ermessen ändern kann. 2. Damit verbunden ist wohl die Auffassung, dass das Naturrecht (zumindest) für die Sexualität (und für die Ehe) nicht gilt. Wenn das so ist, dann gibt es auch keine überzeitlichen und universellen Normen, die immer und für jeden gelten. Die Sexualethik wird bestenfalls zu einer Art Gewohnheitsrecht heruntergestuft.

Wenn die Sexualmoral aber nicht für immer und ewig definiert und unveränderbar ist, wonach richtet sie sich denn?

Für Kardinal Marx und für Bischof Bode steht fest: Die katholische Sexualmoral muss sich der sexuellen Revolution anpassen.

Die erwähnten Vorschläge dieser beiden Prälaten und jene aus dem deutschen Progressismus lassen sich so zusammenfassen: Die katholische Sexualmoral muss durch die Maximen der sexuellen Revolution ersetzt werden. Konkret bedeutet das: Es gibt keine in sich moralisch falsche sexuelle Handlungen, Wünsche, Vorstellungen. Alles ist erlaubt (solange keine Gewalt gegenüber Dritten angewendet wird).

Sie sagen das natürlich nicht so direkt, aber anders kann man die Auslassungen des deutschen Progressismus nicht interpretieren. Wann hat man zuletzt einen Vorschlag gehört, der mehr Disziplin, Abstinenz, Keuschheit, Anstand in den Moden etc. etc. verlangt?

Das Leitbild von Bischof Bode, von Kardinal Marx und generell des deutschen Progressismus ist die sexuelle Revolution nach der Maximen der 1968er-Revolution.

Wie diese Auseinandersetzung ausgehen wird, ist noch ungewiss. Vor allem stellt sich die Frage, wie stark der Widerstand im Kirchenvolk gegen dieses Zerstörungswerk sein wird. Auf eines muss man sich aber sicher vorbereiten: Die katholische Kirche in Deutschland geht turbulenten Zeiten entgegen.

Mittwoch, 31. Januar 2018

KiKA zeigt: Staatliche Sexualkunde kann nicht funktionieren

Mathias von Gersdorff

Seit Wochen kommt der Fernsehkanal KiKA (Kinder-Kanal) nicht mehr aus den Schlagzeilen:

1. Zuerst aufgrund einer Sendung über die Liebesbeziehung zwischen einem deutschen Mädchen aus Fulda und einem Flüchtling aus Syrien. Nicht nur die Altersangaben waren falsch, denn der „Junge“ war wesentlich älter als zunächst angegeben. Die Sendung zeigte auch, dass der Junge psychologisch viel reifer als das Mädchen war (wohl auch des höheren Alters wegen), wodurch er die Situation und die Beziehung dominierte. Nur schüchtern konnte das Mädchen die Überzeugungsarbeit hin zu einer Übernahme islamischer Bräuche abwehren.
2. Wenige Wochen später geht es in KiKA um den weiblichen Busen und wie man mit ihm umgeht. Dabei werden drei Teenager (offensichtlich mit Migrationshintergrund) gezeigt, wie sie einer Schaufensterpuppe von hinten den BH öffnen. Die öffentliche Empörung ließ nicht lange auf sich warten, KiKA nahm den Film aus dem Netz.

Diese beiden Fälle machen erneut deutlich: Wenn der Staat (in der Schule, im Fernsehen oder wo auch immer) Sexualerziehung und Sexualität in die Hand nimmt, geht es schief.

Sexualerziehung primär Angelegenheit der Eltern

Die katholische Kirche hat schon Anfang des 20. Jahrhunderts (Papst Pius XI. in der Enzyklika Divini illius Magistri vom Jahr 1929) klargestellt, dass Sexualerziehung primär Sache der Eltern ist. Der Staat dürfe nur im Notfall eintreten, wenn es beispielsweise keine Eltern oder andere Bezugspersonen gibt.

Der Grund ist einfach: Nur die Eltern können diese schwierige Materie an den psychologischen Entwicklungsstand des Kindes anpassen. Nur sie besitzen wirklich die nötige Sensibilität und auch die Liebe, um das Kind nicht zu überfordern und zu desorientieren.

Im Grunde behauptete die katholische Kirche etwas, was der gesunde Menschenverstand sagt und Eltern schon allein instinktiv wissen.

Dem modernen Staat, der sich tendenziell wenig um das Erziehungsrecht der Eltern schert, interessiert das wenig und er pocht darauf, selbst die Kinder in diese Materie einzuführen. 

Unter idealen Umständen wäre eine staatliche Sexualerziehung in Schule und Medien möglicherweise akzeptabel. Doch unter den heute herrschenden Bedingungen ist das nahezu unmöglich.

Sexualerziehung ist heute ein Instrument linker Gesellschaftspolitik

Einige Gründe:

1. Schule und Schulpolitik sind heute zwischen den Parteien hart umkämpfte Bereiche. Parteiinteressen und Weltanschauung versucht man knallhart durchzusetzen (in Deutschland vor allem seit den frühen 1970er Jahren). In dieser Auseinandersetzung ist das Wohl des Kindes, das eigentlich das einzig relevante Kriterium sein sollte, nur eines mehrerer politischer Interessen bei der Gestaltung der Sexualerziehung. Insbesondere für SPD und andere Parteien links der Mitte war die Sexualerziehung auch ein Instrument der Beschränkung des Erziehungsrechts der Eltern.
2. Seit der 1968-Revolution bzw. der sexuellen Revolution der 1960er und 1970er ist Sexualität zu einem wichtigen Politikum geworden. Die damals konzipierte „emanzipatorische Sexualerziehung“, die in Deutschland maßgeblich die Lehrpläne bis heute beeinflusst, strebt die „Emanzipation“ des Menschen an und wendet hierfür Methoden des neomarxistischen Klassenkampfes an. Mit anderen Worten: Kaum ein „Unterrichtsfach“ ist so ideologisch geprägt wie Sexualerziehung. Ergebnis ist meist die Propagierung einer ultraliberalen Sicht von Sexualität. Sexualerziehung mutierte in den letzten Jahren so nicht selten zu einer reinen Verhütungserziehung, bar jeglicher ethischer Überlegungen. 
3. In den letzten Jahren kommt noch hinzu, dass Schulpolitik immer stärker nach dem Instrumentarium der Gesellschaftspolitik gestaltet wird. Schule wird sozusagen zu Schmiede einer neuen, linksgrünen Gesellschaft. Wie hier schon oft erläutert wurde, sind es gerade die Grünen, die diese Politik an die Spitze geführt haben. Man denke bloß an die neuen Lehrpläne, die allesamt die Durchsetzung der Gender-Ideologie in den Schulen vorsehen. Gender als Querschnittsaufgabe in den Schulen ist nichts anderes als Gesellschaftspolitik in der Schule. So werden die Schulen immer mehr zu Laboratorien linker Ideologien.

In diesen drei Punkten wurde immer die Schule erwähnt, doch nicht anders ist es, wenn sich der Staat in anderen Kanälen an dieses Thema wagt, wie nun immer wieder in KIKA. Nicht selten ist es noch schlimmer, denn die Produzenten stehen zudem in der Verpflichtung, in einem Massenmedium Quote zu machen, was mit Zurückhaltung, Ernsthaftigkeit oder christlicher Sexualethik kaum möglich ist. 

Was kann man tun?

Trotz dieser Sachlage sind die Eltern alles andere als hilflos. Sie können sich in das Schulgeschehen einmischen, sie können sich zusammentun und sie können protestieren. Die Lehrpläne zur Sexualerziehung ermuntern die Eltern sogar dazu, denn etliche Urteile des Bundesverfassungsgerichts sprechen ihnen ein Wort in der Sexualerziehung zu. 

In der Regel wollen die Schulen Polemik und wütende Eltern vermeiden, so dass sie durchaus auf die Kritik der Eltern eingehen (was von Ort zu Ort natürlich anders aussehen kann). Dabei sollten die Eltern die Überzeugung haben, dass sie im Recht sind. Die Schulen müssen in der Sexualerziehung die Ansichten und die Interessen der Eltern wahrnehmen (zu diesem Thema wird demnächst ein eigener Artikel geschrieben).

Man muss aber diesen sexualideologischen Angriff auf die Kinder ebenfalls auf politischer Ebene bekämpfen. Dazu ist es notwendig, sich Organisationen anzuschließen, die sich dieser Aufgabe widmen, wie etwa unserer Aktion „Kinder in Gefahr“, die das seit 1993, also dieses Jahr seit 25 Jahren unternimmt.

Deshalb möchte ich Sie an dieser Stelle bitten, Ihre Freunde und Bekannte einzuladen, sich in unsere E-Mail-Datei einzuschreiben: https://dvck.typeform.com/to/QjIqi4?repere=400018

Gerade unter den gegenwärtigen politischen Umständen ist es notwendig, dass wir immer mehr werden, denn nur so können Kinder vor einer Sexualisierung und einer ideologisierten Schulpolitik effektiv geschützt werden: https://dvck.typeform.com/to/QjIqi4?repere=400018

Freitag, 26. Januar 2018

Verhängnisvolle Annäherung der Bischofskonferenz an Donum-Vitae

Mathias von Gersdorff

In einem Brief von Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der (katholischen) deutschen Bischofskonferenz, wurde ein neuer Ton im Umgang mit dem Verein Donum Vitae angeschlagen.

Zur Erinnerung: Als die katholische Kirche aus dem staatlichen System Schwangerschaftskonfliktberatung ausstieg, gründeten Mitglieder des „Zentralkomitees der deutschen Katholiken“ im Jahr 1999 den Verein Donum Vitae, um Beratungen anzubieten, die nach wie vor den sogenannten „Beratungsschein“ ausstellten. Problematisch an diesem „Beratungsschein“ ist die Tatsache, dass sein Besitz die staatlich angeordnete Bedingung zur Durchführung einer straffreien Abtreibung bis zum dritten Monat darstellt.

Papst Johannes Paul II. ordnete den Ausstieg an, denn die katholische Kirche könne keine Beratungsscheine auszustellen, die eine Abtreibung ermöglichten. Die katholischen Beratungsstellen boten weiterhin Beratungen an, ohne aber den „Schein“ auszustellen. Daraufhin gründeten ZDK-Mitglieder Donum Vitae, um weiterhin am staatlichen Beratungssystem teilzunehmen. Sie weigerten sich also, der Weisung von Papst Johannes Paul II. und der Deutschen Bischofskonferenz zu folgen. Im Grunde war es ein Akt der Revolte seitens der katholischen Funktionäre. Die Bischofskonferenz erklärte, Donum Vitae hätte mit der katholischen Kirche nichts zu tun und distanzierte sich scharf davon.

Diesen Konflikt will nun die Bischofskonferenz durch ihren Vorsitzenden Kardinal Marx beenden und findet lobende Töne für Donum Vitae: „Es besteht kein Zweifel, dass das Ziel von Donum Vitae ebenso wie das der bischöflich verantworteten Schwangerenberatung der Schutz des ungeborenen Menschen ist. Ich stelle fest, dass es über die Jahre hinweg auch vielen Beraterinnen von Donum Vitae gelungen ist, zahlreichen Frauen bzw. Eltern Mut zu machen für ein Leben mit dem Kind, und dafür bestmögliche Hilfestellungen zu bieten. Dafür dürfen wir gemeinsam dankbar sein.“ Darüber hinaus sollen ehemalige Angestellte von Donum Vitae von nun an in bischöflich anerkannten Schwangerenberatungsstellen beschäftigt werden können.

Diese neue Form des Umganges der Bischofskonferenz mit diesem Beratungsverein ist mehr als bedauerlich. Aus verschiedenen Gründen:

ERSTENS: Der sog. Beratungsschein war nichts anderes als das vom Bundestag erfundene Instrument, in Deutschland die Fristenlösung einzuführen, ohne dabei das Verfassungsrecht zu verletzen. Eine „reine“ Fristenlösung wurde von Bundesverfassungsgesetz kassiert, die Pflichtberatung war das Feigenblatt, um die Fristenlösung praktikabel machen zu können. Die Gründer von Donum Vitae (und deren Eintritt in das Beratungssystem) haben sich mit der Liberalisierung zumindest abgefunden.

Das Lob von Kardinal Marx wirkt deshalb deplatziert, zumindest geschichtsvergessen.

ZWEITENS: Mit dem Ausstieg aus dem Beratungssystem setzten die katholischen Bischöfe ein starkes Signal in der Öffentlichkeit für das Recht auf Leben der ungeborenen Kinder. Sie sagten damit: An einem staatlich anerkannten System, der letztendlich unschuldiges Leben auslöscht, wollen wir uns nicht beteiligen.

In den neuesten Stellungnahmen wird aber der Eindruck vermittelt, man hätte es „so oder so“ handhaben können, was völlig abwegig ist.

Es gibt nämlich viele Beratungsstellen, die KEINEN Schein austeilen, eben, weil der Nutzen dieses Scheines AUSSCHLIESSLICH die straffreie Durchführung einer Abtreibung bedeutet. Diese Beratungsstellen haben auf erhebliche finanzielle Zuschüsse des Staates verzichten mussten, weil sie den Schein nicht mehr austeilten.

Aufgrund dieser finanziellen Anreize bezeichnete Erzbischof Johannes Dyba das empfangene Geld vom Staat als „Blutgeld“: Geld, das man bekommt, weil man ein Leben dem Tod preisgibt. Zudem bezeichnete er Donum vitae als "donum mortis": Geschenk des Todes.

Kardinal Marx scheint diesen geradezu makabren Zusammenhang zwischen Beratungsschein, Abtreibung und finanziellen Anreiz zu ignorieren.

DRITTENS: Nachdem Donum Vitae 20 Jahre lang die "Lizenz zum Töten“ (so wurde der Beratungsschein von Erzbischof Dyba bezeichnet) ausstellte, erhält dieser Verein praktisch eine Anerkennung für ein  - so scheint es  - ethisch einwandfreies Handeln. So kommentiert der Präsident des ZDKs, Prof. Dr. Thomas Sternberg, die oben zitierte Stelle des Briefs von Kardinal Marx: „Für diese zentrale Äußerung bin ich sehr dankbar. Sie anerkennt jene, die sich in der Schwangerschaftskonfliktberatung engagieren, in ihrem entschiedenen Einsatz für das Leben.“

Mit anderen Worten: Der Präsident des ZDKs ist der Auffassung, die Ausstellung von Beratungsscheinen, die nur dazu dienen, eine straffreie Abtreibung vorzunehmen, sei moralisch völlig unbedenklich.

Nun: gerade diese „Verdunkelung“ der katholischen Lehre über das ungeborene Leben zu verhindern war die Absicht von Johannes Paul II., als er den Ausstieg auf Betreiben des damaligen Kardinal Ratzinger anordnete. Das ZDK zeigt in keiner Weise, dass es seine Gesinnung hinsichtlich des staatlichen Beratungssystems geändert hat. ZdK-Vertreter empfinden den Brief von Kardinal Marx geradezu als eine Bestätigung, dass sie die ganze Zeit recht hatten und nicht Johannes Paul II. (sowie Bischöfe wie Erzbischof Johannes Dyba, später auch Kardinal Joachim Meisner, u.a.).

Dieser Sachverhalt betrifft in erster Linie katholische Gläubige, die unter keinen Umständen die Tötung ungeborenen Lebens akzeptieren dürfen. Doch darüber hinaus betrifft es alle Menschen, die Wert darauf legen, dass alle Menschen ein uneingeschränktes Recht auf Leben haben und dieses Recht auch verteidigt werden muss, auch, wenn der Staat auf seine Schutzfunktion verzichtet oder gar ungerechte Gesetze erlässt.